Kinder aus der Klemme

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

2023 plant der Kinderschutzbund KV Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald e.V. für betroffenen Kindern und deren Eltern das Programm "Kinder aus der Klemme" anzubieten. Für die Realisierung sind wir auf Spenden angewiesen.

„Es geht um unsere Kinder – wir müssen auf sie achten! Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, friedvoller miteinander umzugehen, es nicht eskalieren zu lassen, wie wichtig Frieden und Stabilität ist und dass das Kind nicht das Gefühl hat, zwischen uns zerrieben zu werden.“
(aus: Kinder aus der Klemme, Arbeitsbuch)

Seit Jahren beobachten wir mit Sorge, welchen Belastungen Kinder ausgesetzt sind, wenn ihre Eltern sich trennen. Ist die Trennung hochstrittig, begegnen sich die Eltern mit Misstrauen in vielerlei Hinsicht, Zorn, manchmal gar mit Gewalt, und kommen sie aus dem Teufelskreis gegenseitiger Abwertung nicht heraus, dann hat dies gravierende Auswirkungen auf die Kinder. Sie können sich der problembelasteten Situation nicht entziehen, befinden sich mittendrin in den Konflikten und glauben häufig, dass sie zu den Verursachern gehören.

Meist geraten die Kinder in einen Loyalitätskonflikt. Sie stellen sich im Konflikt der Eltern auf eine Seite und meiden den Kontakt zum anderen Elternteil, leugnen auch den Wunsch danach. Die Kinder stecken in einer Klemme, aus der sie keinen Ausweg wissen.

Nicht selten treten Stress-Symptome auf wie Angst, schlechter Schlaf, Rückzug aus sozialen Kontakten, Schweigsamkeit. Manchmal kehren sich diese Symptome nach außen, z.B. in Form von aufsässigem, rebellischem Verhalten und Aggressivität. Manche der betroffenen Kinder leiden noch als Erwachsene unter den negativen Folgen einer hochstrittigen Elternschaft und Trennung.

Das Programm „Kinder aus der Klemme“ richtet sich an die Eltern, die nicht mehr unter einem Dach leben, dennoch nicht aufhören können, sich zu streiten und an deren darunter leidende Kinder. Auch wenn Eltern angeben, sich immer wieder Sorgen über die Situation ihrer Kinder zu machen, geraten diese zu oft aus dem Blick.

Wir sind überzeugt, dass Eltern in der Regel gut für ihre Kinder sorgen wollen. Mit unserem Angebot versuchen wir, gemeinsam mit Kindern und deren Eltern einen Weg zu finden, der aus der konflikthaften Situation hinaus in eine Situation gegenseitigen Respektes führt.

Dabei stehen die Kinder im Mittelpunkt des Bemühens, was wir auch bewusst durch die Namensgebung des Projektes unterstreichen.

 

„Das ist genau das, was wir erreichen möchten! Wir sind zuversichtlich, dass teilnehmende Eltern auf jeden Fall von dem Programm profitieren, vor allem aber die Kinder. Denn, wenn es den Eltern gelingt, mit dem Streiten aufzuhören, sind auch die Kinder „aus der Klemme“.“
(Prof.Dr.med. eia Asen)

 

Konkret arbeiten wir mit zwei Gruppen gleichzeitig: Die eine besteht aus sechs Elternpaaren, die andere aus deren Kindern (ab 4 Jahren).

Die Kinder erleben in der Gruppe mit Schicksalsgefährten, dass sie nicht allein sind, wie sie sich gegen die Streitigkeiten ihrer Eltern besser wappnen und ihre seelische Robustheit stärken können. Sie werden in der Kindergruppe von zwei, manchmal drei Fachkräften – das hängt von der Alterszusammensetzung ab – unterstützt und begleitet. Ziel der Arbeit ist es, die Kinder darin zu unterstützen, ihre Lebenssituation in bzw. nach einer strittigen Trennung besser zu verstehen, ihre eigenen Reaktionen darauf besser zu verstehen und sich dazu äußern und ausdrücken können.

In der Gruppe werden sowohl ihre schmerzhaften als auch positiven Erfahrungen. Die Kinder helfen sich gegenseitig und fördern damit ihre eigene Resilienz. Ein wichtiger Punkt in der Arbeit ist, mit den Kindern gemeinsam eine Geschichte über ihr Leben zu entwickeln, in dem auch die Trennung der Eltern einen Platz bekommt.
Wenn es gelingt, dass sie ihre Lebensgeschichte als kohärent erleben können, verstehen sie besser, dass ihr Verhalten, ihre Gefühle und Gedanken mit den Reaktionen der Eltern zusammenhängen und mit der Situation, in der sie leben. Sie lernen, dass nicht sie für die Konflikte verantwortlich sind und dass es nicht ihre Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass alles problem- und reibungslos läuft.
Es wird für sie deutlicher, dass sie nicht Partei ergreifen müssen und dass beide Elternteile in guter Absicht handelten. Es wird für sie deutlicher, können sich mehr und mehr auf ihr eigenes Leben und ihre eigenen Aktivitäten konzentrieren. Und sie erkennen, dass es mit beiden schön sein kann, dass sie bei beiden ein gutes Leben führen können und auch, dass ihnen nicht alles bei beiden Eltern gefallen muss. Die Folge ist, dass sie sich mehr und mehr auf ihr eigenes Leben und die eigenen Aktivitäten konzentrieren können.

In der parallel stattfindenden Elterngruppe können diese herausfinden, wie sie den Teufelskreis destruktiver Sicht- und Verhaltensweisen durchbrechen können und sich dabei gegenseitig unterstützen. In ihren manchmal jahrelangen Kämpfen gegeneinander haben sie sich in ihren eigenen Positionen und Gewissheiten verschanzt. Beide Elternteile glauben ein Monopol auf die Wahrheit zu haben. Die mit ihnen arbeitenden Therapeuten versuchen, solche kämpferischen Streitpositionen zu vermeiden und ihren Blick auf die Chancen und Möglichkeiten zu richten, die trotz allem bestehen.

Oft sind die Eltern zu Beginn der Sitzungen in destruktiven Angriffs- und Verteidigungsmustern gefangen. Diese Muster können einen Vulnerabilitätszyklus auslösen, der mehr und mehr eskaliert, was den Stresspegel permanent erhöht.

Die Therapeuten richten das Hauptaugenmerk auf diesen relationalen Prozess und unterstützen die Eltern darin, ihre Emotionen zu regulieren, Ambivalenzen zuzulassen sowie Gegensätze und mehrere Wahrheiten zu tolerieren. Die Erfahrung zeigt, dass das therapeutische Angebot, dass sich auf die Arbeit mit den sog. Keystones bezieht, kann dazu beitragen, dass Eltern sich gegenseitig vergeben, sich mit ihrer Vergangenheit abfinden und Konflikte besser beenden können.

Drei der Keystones „Haltung, in der Arbeit mit dem Programm – Gemeinschaft, arbeiten in und mit Gruppen – Kinder, Aufmerksamkeit für die Kinder und ihren Zwischenraum (zwischen den Eltern), beziehen sich auf die Rahmenbedingungen der gemeinsamen Arbeit.

Die anderen drei sind Kernpunkte des therapeutischen Prozesses und mit den wichtigsten Aspekten der Interventionen verbunden.

  • Loslassen – den Übergang zu einer wirklichen Trennung zu erreichen
  • Destruktive Muster – Anerkennen und Reduzieren destruktiver Muster, Vermeidung von Konfliktspiralen und Arbeit an der Emotionsregulierung
  • Veränderung durch Erfahrung – Lernen durch aktives Handeln und Darstellen.

Was den Umgang mit den Kindern angeht, zeigen sich die Therapeuten offen für das Modell einer parallelen Erziehung, erinnern jedoch auch immer wieder die elterliche Verantwortung.

Beide Gruppen treffen sich während jeder Sitzung in einer Pause, wobei die Eltern den Auftrag haben, diese Zeit konfliktfrei zu gestalten.

Die Erfahrungen mit dem Programm in verschiedenen Ländern und auch in Deutschland zeigen, dass es in vielen Familien zu positiven Veränderungen kommt.

 

Die Wirksamkeit von „Kinder aus der Klemme“

Eine Studie der Universität Amsterdam zeigt, dass Eltern nach dem Kurs weniger destruktive Konflikte haben. Sie können die Trennung besser akzeptieren, werden dem anderen Elternteil gegenüber versöhnlicher und können einander loslassen. Diese Haltung der Eltern erleichtert den Kindern wiederum einen unbeschwerten Kontakt zu beiden Eltern aufzubauen oder zu pflegen.

Eine Begleitstudie der Medical School Berlin zeigt, dass die Eltern lernen, besser mit Absprachen untereinander umzugehen, was ihre eigene Haltung positiver färbt und dass auch der Umgang mit den Kindern sich besser im Sinne von weniger dämonisierend und fairer gestaltet.

Einigen Eltern gelingt es, Konflikte zu reduzieren, andere benötigen eine Nachsorgephase, in der sie ermutigt und unterstütz werden, ihre Konflikte weiter abzubauen.

In jedem Fall ist die Teilnahme an „Kinder aus der Klemme“ für die Kinder ein wichtiger Beleg dafür, dass ihre Eltern in ihrem Interesse handeln, dass Getrenntsein nicht heißen muss, für immer und ewig miteinander böse zu sein, dass sie aus den Loyalitätskonflikten herauskommen können und einen unbeschwerten Kontakt zu beiden Eltern haben können.

Der konkrete Ablauf:

In der ersten Phase finden 2 Vorgespräche statt

  1. Nur mit den Eltern – hier werden die Bedingungen für die Teilnahme geklärt, das Gespräch ist noch unverbindlich
  2. Mit den Eltern, die sich zur Teilnahme entschieden haben und parallel dazu mit den Kindern in Anwesenheit eines Kindertherapeuten
  3. Den Abschluss bildet ein gemeinsames Gespräch mit allen Eltern, Kindern und Therapeuten

Darauf folgt ein Informationsabend – Netzwerktreffen: hier werden wichtigen Personen aus dem Umfeld der Eltern Informationen über das Programm „Kinder aus der Klemme“ gegeben, die Therapeuten stellen sich vor und bitten um die Unterstützung für Eltern und Kinder.

Start des eigentlichen Kurses:

7 Gruppensitzungen für Eltern und Kinder, parallel – Dauer ca. 2 Stunden
Abschluss 8. Sitzung: Evaluation, Austausch von Tipps, Feedback

Sowohl die Kinder- als auch die Elterngruppe werden von jeweils zwei, eigens für dieses Programm ausgebildete Expert:innen geführt und begleitet.